Im Rahmen des geförderten Forschungsprojektes SB:Digital werden aktuelle Entwicklungen und Trends hinsichtlich moderner Arbeitsgestaltung erforscht. Im Zentrum der Betrachtung steht dabei das Konzept des Social Business, also die Integration sozialer Netzwerke in den Berufsalltag. Nachdem soziale Netzwerke wie Facebook oder Xing aus Firmensicht lange Zeit nur als externe Kommunikationskanäle und Marketingplattformen genutzt worden, spielen spezifische und explizit unternehmensinterne soziale Netzwerke inzwischen eine zunehmende wichtige Rolle im Arbeitsleben. Die Anwendungsmöglichkeiten im Businessbereich sind vielfältig, denn die zur Verfügung stehenden Funktionalitäten decken ein breites Spektrum von der Unternehmenskommunikation über Projektmanagements bis etwa hin zu Wissensmanagement und Weiterbildung ab. Konkrete Beispiele, wie durch Social Business die Büroorganisation unterstützt werden kann sind im einfachsten Fall online einsehbare, gemeinsame Kalender zur Raumbelegung. Weiter ausgereift ist die Idee, wenn etwa Bots eingesetzt werden, um die Verfügbarkeit aller am Meeting geplanten Personen eigenständig zu überprüfen und den geeigneten Besprechungsraum automatisch zu buchen. Ein weiteres Beispiel ist die Einbindung von Lernsoftware oder Wissensmanagementfunktionalitäten welche dazu beitragen können, den teaminternen Wissensaustausch im Unternehmen zur vereinfachen und zu fördern.

Die Metamorphose eines Unternehmens hin zum Social Business bedarf einer offenen und Austausch fördernden Unternehmenskultur und kann hinsichtlich Arbeitsbedingungen und Wertschöpfungsprozessen weitreichende Konsequenzen haben. Um die Chancen und Risiken von Social Business für Unternehmen zu ermitteln und Unternehmensperspektiven miteinander zu vergleichen wurde zu Beginn der Projektarbeit eine Qualitative Studie durchgeführt. Im Rahmen der Studie wurden fünf jeweils circa einstündige Interviews mit Vertretern von Social Media erfahrenen Wirtschaftsunternehmen bzw. Experten zur ihrer Sicht auf Social Business und moderne Arbeitswelten befragt. Im Folgenden werden die dabei gewonnenen Erkenntnisse überblicksartig dargestellt.

Für die Befragten Unternehmen ist die digitale Kommunikation eine der wichtigsten Funktionen des Internets und hat damit aus Sicht der Experten eine noch höhere Relevanz als die Informationsbeschaffung. Ein möglicher Grund dafür ist der Erfolg von Web 2.0 Technologien. Aber auch die umfassende Präsenz der digitalen sozialen Netzwerke, welche in der Vergangenheit die digitale Kommunikation entscheidend geprägt haben, kann als Grund gesehen werden. Ein weiteres Thema von besonderer Relevanz für die Befragten im Hinblick auf Social Business ist der Datenschutz. Wo Kommunikation möglichst frei gestaltet und grenzüberschreitend stattfinden soll, wird dem Schutz unternehmerischer Daten ein umso höherer Stellenwert eingeräumt. Der Datenschutz, sowohl auf Ebene der Privatsphäre als auch der Unternehmensdaten, wird als erfolgskritischer Faktor gesehen, welcher zugleich wichtiger Baustein für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ist. Aus Sicht der Befragten stellen Sicherheitsbedenken sowie die Einschränkungen der freien Verwendung von Software, welche sich etwa aus Datenschutzvorgaben und Richtlinien zur IT-Sicherheit im Unternehmenskontext ergeben, jedoch auch Barrieren auf dem Weg zum Social Business dar.

Die Umgestaltung der Arbeitswelt eröffnet den Arbeitsnehmern insbesondere im Hinblick auf die individuelle Arbeitsgestaltung mehr Spielraum. In diesem Zusammenhang wird Homeoffice zunehmend zum Thema für Unternehmen, da gerade junge Mitarbeiter Ansprüche an flexible zeit- und ortsunabhängige Arbeitsweisen stellen. Mit der zunehmend freien und selbstbestimmten Organisation der Arbeit durch die Mitarbeiter einhergeht, rückt die individuelle Motivation der Mitarbeiter in den Fokus der Unternehmen, welche von den Befragten als entscheidender Erfolgsfaktor gesehen wird. Mangelnde Motivation, Technologieskepsis oder die fehlende Betrachtung der sozialen Dimension von Kollaborationswerkzeugen stehen einer erfolgreichen Verwendung deshalb zusätzlich im Weg. Technologieskepsis ist dabei nicht als grundsätzliche Ablehnung zu begreifen sondern resultiert aus Sicht einiger Befragter auch aus negativen Vorerfahrungen. Häufig trifft Euphorie über neu am Markt erhältliche Tools auf Ernüchterung oder Enttäuschung. Im Laufe der Zeit führt dies zu einer geringeren Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Tools bzw. einer sinkenden Bereitschaft zum Testen dieser.

Neben der Zeit- und Ortsunabhängigkeit von Kollaborationswerkzeugen werden außerdem Agilität, Effizient, eine permanente Verfügbarkeit von Ressourcen sowie die Möglichkeit zum gleichzeitigen Bearbeiten von Dokumenten von den Befragten als weitere Vorteile genannt. Kritisch werden hingegen die Verlässlichkeit sowie die mit der Nutzung einhergehende Abhängigkeit von Social Business Tools gesehen. Fällt ein onlinebasiertes System aufgrund technischer Störungen aus, wird das Gesamtunternehmen arbeitsunfähig. Der Schritt hin zum Social Business sollte also wohlüberlegt und geplant sein und muss mit einer entsprechenden Gestaltung von Infrastruktur und Unternehmenskultur einhergehen.

Befragt nach möglichen Erfolgskriterien von Social Business wurden neben der Offenheit und dem grundlegenden Interesse der Nutzer auch eine möglichst hohe Entscheidungsfreiheit der Nutzer im Hinblick auf den Einsatz neuer Tools genannt. Eine starke Zentralisierung oder eine allzu restriktive Rechteverwaltung seitens der IT-Abteilung, stehen dem erfolgreichen Einsatz von Social Media Tools demnach eher im Weg. Als weitere Erfolgskriterien wird eine möglichst intuitive Bedienbarkeit von Systemen genannt, welche sich im Idealfall an bereits privat genutzten Social Media Plattformen orientieren und das gelernte Anwenderwissen nutzbar machen. Eine ansprechende visuelle Darstellung sowie Möglichkeiten der Individualisierbarkeit der Software unterstützen zudem die Identitätsbildung und tragen dadurch zur Bindung von Mitarbeiter und Unternehmen bei.

Die Ergebnisse der qualitativen Befragung bilden die Grundlage für weiterführende Untersuchungen im Bereich Social Business. Erkenntnisse aus der Expertenbefragung flossen in die Erstellung einer quantitativen Studie zu Social Business ein, welche sich aktuell bereits in der Phase der Auswertung befindet. Im weiteren Projektverlauf werden durch die am Verbundvorhaben SB:Digital beteiligten Partner praxisnahe Informationsbroschüren und –Ratgeber für den Umgang mit Social Business erstellt, als auch konkrete Pilotanwendungen entwickelt.
Autoren: Julia Friedrich (friedrich@infai.org), Christian Zinke (zinke@infai.org)

 

https://medium.com/@zinkechristian/social-business-wie-social-media-die-unternehmenswelt-ver%C3%A4ndern-af6e3a49e198

 

Social Business – Wie Social Media die Unternehmenswelt verändern

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